Ralph Junge im Interview: „Mehrere Wochen bis wieder an ein Liga-Spiel zu denken ist“ 

Ralph Junge im Interview: „Mehrere Wochen bis wieder an ein Liga-Spiel zu denken ist“ 

Nürnberg – Seit dem 9. November befanden sich die Nürnberg Falcons in Quarantäne nachdem fast die gesamte Mannschaft positiv auf Covid19 getestet wurde. Trainer und Geschäftsführer Ralph Junge ist seit Anfang der Woche wieder zurück im Tagesgeschäft, hat viel zu tun und sich kurz Zeit für ein Interview genommen. 

Ralph, Du bist raus aus der Quarantäne. Wie geht´s Dir aktuell und wie geht´s den Spielern? 

Soweit so gut, danke. Meine Quarantäne ist seit Anfang der Woche offiziell vorbei. Ich schmecke und rieche zwar nichts, aber die anderen Symptome sind zum Glück abgeklungen. Beim Großteil der Spieler sieht das aktuell jedoch noch anders aus, da einige weiterhin Symptome zeigen und bis zuletzt noch positiv waren. Am Montagabend gab es eine weitere Testrunde. Sobald die Ergebnisse da sind, sehen wir weiter. 

Wie sieht der Alltag der Spieler aus? An Online-Training etc. ist da ja nicht ansatzweise zu denken. 

Das stimmt. Es war und ist eine andere Art der Quarantäne als die, die es bei anderen Teams in unserer, aber auch anderen Ligen gab. Während bisher meist nur einzelne Athleten positiv auf Covid19 getestet wurden und zum Teil symptomfrei blieben, ist bei uns die komplette Mannschaft betroffen und an Covid19 erkrankt. Jeder hatte Symptome die zum Teil auch stärker ausfielen. Zum Glück musste niemand ins Krankenhaus. Hilfreich war hier sicherlich, dass die Spieler bereits zu Beginn von unseren Teamärzten Dr. Brem und Dr. Pauser mit entsprechenden Medikamenten versorgt wurden. Da alle jedoch mit ihren Symptomen über die gut zwei Wochen zu kämpfen hatten, geht es nun erst einmal darum, sich zu schonen, symptomfrei und wieder gesund zu werden. Ein „sich fit halten“ war nicht mal ansatzweise möglich. 

Konnte das Wochenende 6.11 & 8.11 schon final aufgearbeitet werden? Es gab ja nicht nur unter den Spielern etliche Corona-Fälle. 

Wir sind mittendrin. Unsere Ärzte arbeiten die Daten gerade gemeinsam mit einem Mikrobiologen auf, um damit auch neue Erkenntnisse über die Infektionswege von Corona zu gewinnen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man aber sagen, dass wir es beim Heimspiel gegen Hagen wohl mit einem sogenannten Super-Spreader zu tun hatten. Dieser sorgte nicht nur in den Teams für etliche Ansteckungen sondern auch bei unseren Helfern, am Kampfgericht, Live-Stream, etc. 

Wie ist der weitere Fahrplan? Wann rechnet Ihr damit, wieder voll zu trainieren und zu spielen bzw. was sieht die Liga für so einen speziellen Fall vor? 

Trainieren ist die eine Sache, spielen die andere. Wir brauchen erst einmal grünes Licht, dass die Spieler keine Symptome mehr und dazu noch einen negativen PCR-Test haben. Dann werden wir alle Spieler erneut einem medizinischen Check unterziehen, ehe wieder mit einem leichten Training gestartet werden kann. Wir stehen hier in sehr engem Austausch mit unseren Ärzten und planen die Rückführung der Spieler an den Spielbetrieb. Ein wichtiger Faktor in diesem Prozess ist auch unser Athletiktrainer Philipp von Münster. Was wir in jedem Fall verhindern wollen ist ein Folgeschaden an Lunge oder Herz wie man es in den letzten Wochen bei einigen Leistungssportlern beobachten konnte. Auch muskulär haben wir durch die Quarantäne erhebliche Defizite zu verzeichnen, welche es aufzuarbeiten gilt. Aktuell gehen wir von mehreren Wochen aus, bis wieder an ein reguläres Liga-Spiel zu denken ist. Das haben wir auch schon mit der Liga-Führung in Köln diskutiert, die im Sommer einen entsprechenden Leitfaden erstellt hat. Unsere Situation ist aber in der Tat ein Sonderfall und wir werden hier nichts überstürzen oder etwas riskieren. 

Unter den Fans und sicher auch innerhalb der Liga wurde und wird viel diskutiert, ob man die Saison so zu Ende spielen soll, ob man pausiert oder nach dem Vorbild der BBL ein Bubble-Turnier austragen soll. Wie stehst Du als Geschäftsführer und Trainer dazu? 

Die Meinungen gehen hier weit auseinander, da zwar jeder Standort betroffen ist, sich die Probleme vor Ort und auch die finanziellen Rahmenbedingungen stark voneinander unterscheiden. Einige Teams haben schon jetzt erhebliche Hilfen von den Ländern bekommen, andere fürchten beim Abbruch zu große Einbußen, andere sehen eine große Gefahr die Saison ohne Zuschauer finanziell nicht zu überstehen. Daneben gibt es natürlich noch die sportliche Seite. Lust zu spielen und auf Basketball haben wir alle. Dennoch ist die Situation mit den Quarantänen und Spielverlegungen für alle Sportler und Trainer sehr schwierig. Unter regulären und fairen Bedingungen findet der Spielbetrieb so nicht statt. Deshalb sollte man in meinen Augen den Abstieg in diesem Jahr aussetzten. Wir sind aktuell in der ProA eh unterbesetzt mit 15 Teams. An sich muss sogar eine größere Liga das Ziel sein. Was die aktuelle Saison betrifft, halte ich einen vorzeitigen Abbruch für sehr schwer umsetzbar und vermittelbar. Jedes Team hat den Betrieb auf und vor allem auch ausserhalb des Spielfeldes hochgefahren, deshalb ist auch eine längere Pause kaum darstellbar. Je nach Entwicklung der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen muss man sicher über ein alternatives, interessantes und spannendes Playoff-Konzept nachdenken. 

Wie läuft die Kommunikation mit Euren Partnern aktuell? 

Die Kommunikation ist sehr intensiv und konstruktiv. Viele Partner haben Verständnis für unsere aktuelle Situation und die Heimspiele ohne Zuschauer. Auch während der Quarantäne haben wir viel Hilfe und Zuspruch erhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Aktuell geht es jetzt darum, gemeinsam Möglichkeiten zur Kompensation zu finden, wo wir bereits mit einigen Partnern kreative und gute Lösungen gefunden haben. Insgesamt überwiegen der Zusammenhalt, die Zuversicht und die gemeinsamen Visionen in diesen für viele schwierigen Zeiten. 

Es ist jetzt Eure 5. Saison seit der Gründung und wieder ist man von der Normalität weit entfernt. Wie ist Dein Blick in die Zukunft? 

Ja, es wird in der Tat nie langweilig. Ich bin trotzdem der festen Überzeugung, dass wir auch Corona überstehen werden und dann muss ja irgendwann ruhigeres Fahrwasser kommen. Von dem verpassten Aufstieg 2019 haben wir uns nicht entmutigen lassen und waren auch im letzten Jahr auf Playoff-Kurs. In dieser Saison ist das sportliche wie gesagt sehr schwer zu planen, aber wir haben wieder eine talentierte Mannschaft auf die Beine gestellt. Im Nachwuchs-Bereich hat die Saison mit den TORNADOS FRANKEN gut begonnen, auch die Kooperation mit Ansbach als Partner in der Regionalliga ist sehr gut angelaufen. Vor allem gibt uns aber der Hallenbau am Tillypark viel Hoffnung und Motivation. Es ist faszinierend zu sehen wie unsere neue Heimat wächst. Mit der neuen Spielstätte als Attraktion für die Region und der Hoffnung auf eine Zeit nach der Pandemie sehe ich uns auf einem guten Weg unseren Zielen näher zu kommen und ein würdiger Markenbotschafter der Stadt Nürnberg zu sein.